Art. 6  Ein eigenständiger Dienst


Einer von knapp 200 Ständigen Diakonen im Erzbistum: Hanspeter Schmider ist Diakon mit Zivilberuf und wohnhaft in  Titisee-Neustadt. Das Foto zeigt ihn beim liturgischen Dienst.


Zur Weihe neuer Ständiger Diakone am Christkönigs-sonntag. Der Diakonat ist in der katholischen Kirche nicht mehr nur ein Durchgangsamt zum Priestertum, sondern auch ein eigenständiger Dienst.

 

Beim Stichwort „Kirchliches Amt“ denkt man unwillkürlich an Priester und Bischöfe. Seit mehreren Jahrzehnten gibt es jedoch auch eine dritte Stufe des kirchlichen Amtes, bis heute ist dieses Amt aber noch nicht so bekannt, wie es dies verdient hätte.

Nicht nur Verkündigung und Liturgie gehören zu den Grund-funktionen von Gemeinde, ein drittes Element ist die Diakonie, der Bruderdienst. Kirche ohne das diakonische Element ist nicht im Vollsinn Kirche. Seit den frühesten Anfängen des Glaubens an den Gott der Bibel gehört der Dienst an den Armen und Fremden, den Witwen und Waisen mit dazu. Im Diakonat ist dieser Dienst gewissermaßen fester Teil des kirchlichen Amtes. Als ständiges Amt ging der Diakonat seit dem 9. Jahrhundert verloren. Er wurde seitdem nur mehr als Durchgangsstufe zum Priestertum wahrge-nommen – bis heute empfangen die späteren Priester zunächst die Diakonatsweihe. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962 – 1965) schuf die Grundlage für die Wiedereinführung des Diakonates als eigenem und ständigem Amt. Im Unterschied zum Priester- und Bischofsamt werden zum Ständigen Diakonat auch Verheiratete zugelassen. Zu den Aufgaben des Diakons gehört nicht nur der Dienst am Nächsten , sondern auch die Mitwirkung in Liturgie und Verkündigung. Diakone spenden die Taufe, assistieren beim Ehesakrament und besitzen die Predigtbeauftragung – auch für die Homilie innerhalb der Eucharistiefeier. Die Mehrzahl der Ständigen Diakone übt ihren Dienst nebenberuflich aus. Eine offene Frage ist bisher, ob eines Tages auch Frauen zu Diakoninnen geweiht werden können. Die gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland (1972 bis 1975) wandte sich mit dem Votum an den Papst, Frauen zum Ständigen Diakonat zuzulassen.



Veröffentlicht im Konradskalender November 2006 - Seite 122; Autor: Klaus Nientiedt